Oxidkeramiken gehören zu den am häufigsten eingesetzten technischen Keramiken. Sie verbinden eine hohe Härte und Verschleißfestigkeit mit guten elektrischen Isolationseigenschaften und einer hohen chemischen Beständigkeit in vielen Anwendungsbereichen.
Der Begriff Oxidkeramik bezeichnet jedoch keinen einzelnen Werkstoff. Aluminiumoxid, Zirkonoxid und verschiedene Mischkeramiken unterscheiden sich deutlich in ihren Eigenschaften. Darüber hinaus beeinflussen Reinheit, Gefüge, Additive und Herstellungsprozess das Verhalten des fertigen Bauteils. Deshalb muss für jede Anwendung die passende Werkstoffqualität ausgewählt werden.
Für die Leistungsfähigkeit einer Oxidkeramik sind insbesondere zwei Faktoren entscheidend:
Oxidkeramik ist nicht duktil und kann plastische Verformungen daher nicht wie ein Metall aufnehmen. Bauteile müssen entsprechend keramikgerecht konstruiert werden. Geeignete Radien, gleichmäßige Wandstärken und eine klar definierte Krafteinleitung verringern Spannungsspitzen und verbessern die Zuverlässigkeit.
Zu den wichtigsten oxidkeramischen Werkstoffen gehören:
Aluminiumoxid (Al₂O₃)
Aluminiumoxid ist ein vielseitiger Standardwerkstoff für elektrische Isolation, Verschleißschutz und Hochtemperaturanwendungen. In zahlreichen chemischen Umgebungen besitzt Al₂O₃ eine hohe Beständigkeit. Wenn keine besonderen Zusatzeigenschaften erforderlich sind, ist Aluminiumoxid häufig die wirtschaftlichste Lösung.
Zirkonoxid (ZrO₂)
Zirkonoxid verbindet eine hohe Verschleißfestigkeit und Präzision mit einer im Keramikvergleich hohen Bruchzähigkeit. Es eignet sich deshalb besonders für Bauteile, bei denen Robustheit, Kantenstabilität oder belastete Funktionsflächen eine wichtige Rolle spielen.
Mischkeramiken und Spezialqualitäten
Werkstoffe wie ZTA und ATZ kombinieren Eigenschaften von Aluminiumoxid und Zirkonoxid. Sie kommen infrage, wenn eine Standardqualität die Anforderungen an Verschleiß, Bruchverhalten, Präzision oder Langzeitstabilität nicht vollständig erfüllt.
Die Werkstoffbezeichnung liefert somit nur eine erste Orientierung. Entscheidend ist die konkrete Qualität, die auf den jeweiligen Einsatz abgestimmt sein muss.
Oxidkeramiken werden vor allem dort eingesetzt, wo elektrische Isolation, Präzision und lange Standzeiten zusammenkommen.
Elektronik und Elektrotechnik
Typische Anwendungen sind Isolatoren, Durchführungen, Träger und Präzisionskomponenten, die gleichzeitig elektrischen und thermischen Belastungen ausgesetzt sind.
Medizintechnik
Je nach Anwendung kommen oxidkeramische Werkstoffe für Bauteile zum Einsatz, bei denen Verschleißfestigkeit, Langzeitstabilität, Reinigbarkeit oder definierte Oberflächen erforderlich sind. Neben dem Grundwerkstoff sind hier die konkrete Werkstoffqualität und die Ausführung der Oberfläche entscheidend.
Maschinen- und Anlagenbau
Zu den Anwendungen zählen Führungs- und Verschleißteile, Düsen, Strömungselemente, Kontaktflächen sowie Pass- und Präzisionsbauteile. Keramik wird hier eingesetzt, wenn metallische Komponenten durch Reibung, Temperatur oder Medien ihre Geometrie und Funktion zunehmend verändern.
Bei sehr hohen Temperaturen, starken Temperaturwechseln oder besonderen tribologischen Anforderungen kann eine Nichtoxidkeramik die bessere Lösung sein. Für viele industrielle Aufgaben bietet Oxidkeramik jedoch einen technisch bewährten und wirtschaftlichen Ausgangspunkt.
Oxidkeramik ist häufig die richtige Wahl, wenn:
Nichtoxidkeramiken wie Siliziumkarbid und Siliziumnitrid werden häufig dann eingesetzt, wenn:
Die Auswahl sollte immer anhand der tatsächlichen Einsatzbedingungen erfolgen. Temperatur, Medium, Belastung, Reibpartner und elektrische Anforderungen müssen gemeinsam betrachtet werden.
Für eine erste Werkstoffbewertung benötigen wir:
Auf dieser Grundlage prüfen wir, ob Oxidkeramik geeignet ist und welche Werkstoffqualität die Anforderungen am besten erfüllt.