Nichtoxidkeramiken werden eingesetzt, wenn hohe Temperaturen, schnelle Temperaturwechsel, abrasive Belastungen oder besonders anspruchsvolle Prozessbedingungen zusammentreffen. In solchen Anwendungen können metallische Werkstoffe an Festigkeit verlieren, oxidieren, sich verziehen oder ihre Oberflächeneigenschaften verändern.
Zu den wichtigsten Nichtoxidkeramiken gehören Karbide und Nitride. Besonders häufig werden Siliziumkarbid (SiC) und Siliziumnitrid (Si₃N₄) eingesetzt. Beide Werkstoffe bieten besondere Vorteile, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrem Eigenschaftsprofil. Auch innerhalb einer Werkstoffgruppe bestimmen Qualität, Gefüge und Herstellungsprozess die späteren Bauteileigenschaften.
Bei hohen Temperaturen verändern viele Metalle ihre mechanischen und chemischen Eigenschaften. Sie können an Festigkeit verlieren, oxidieren, mit Medien reagieren oder sich so weit verformen, dass Passungen und Funktionsflächen nicht mehr zuverlässig arbeiten.
Siliziumkarbid und Siliziumnitrid werden eingesetzt, wenn Bauteile unter diesen Bedingungen langfristig form- und funktionsstabil bleiben müssen. Typische Anwendungen finden sich im Ofen- und Anlagenbau, in chemischen und verfahrenstechnischen Prozessen sowie in der Halbleiterindustrie. Häufig wirken dort Temperatur, Partikel, Medien und hohe Präzisionsanforderungen gleichzeitig.
Nichtoxidkeramik ist daher vor allem dann eine sinnvolle Alternative, wenn auch höher legierte oder besonders temperaturbeständige Metalle die geforderte Standzeit und Prozessstabilität nicht erreichen.
Siliziumnitrid besitzt eine hohe Beständigkeit gegenüber schnellen Temperaturwechseln und wird deshalb häufig bei dynamischen thermischen Belastungen eingesetzt. Diese Eigenschaft ist besonders bei zyklischen Prozessen und starken Temperaturgradienten von Bedeutung.
Siliziumkarbid kann je nach Qualität eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit aufweisen. Dadurch lässt sich Wärme gezielt weiterleiten oder abführen. In geeigneten Anwendungen können Aufheiz- und Abkühlzeiten beeinflusst, Temperaturunterschiede verringert und lokale Überhitzungen vermieden werden.
Auch die elektrischen Eigenschaften müssen berücksichtigt werden. Nichtoxidkeramiken sind nicht grundsätzlich elektrisch isolierend. Abhängig von Werkstoff und Qualität können sie isolierend, ableitfähig oder leitfähig sein. Diese Anforderung muss deshalb bereits bei der Werkstoffauswahl eindeutig festgelegt werden.
Im Anlagenbau werden Nichtoxidkeramiken für Bauteile eingesetzt, die hohen Temperaturen, Partikeln und Dauerbetrieb ausgesetzt sind. Sie können ihre Oberflächen und ihre Geometrie unter Bedingungen beibehalten, bei denen andere Werkstoffe schnell verschleißen oder sich verformen.
In der Chemie und Verfahrenstechnik treffen häufig abrasive Medien und hohe Temperaturen zusammen. Nichtoxidkeramiken können hierfür geeignete Kombinationen aus Verschleiß- und Temperaturbeständigkeit bieten. Die chemische Beständigkeit muss dennoch für jedes Medium und jede Werkstoffqualität gesondert geprüft werden.
In der Halbleiterindustrie sind thermische Stabilität, Präzision und reproduzierbare Prozesse besonders wichtig. Je nach Anwendung kommen zusätzlich definierte elektrische Eigenschaften hinzu. Hier ist eine genaue Abstimmung von Werkstoff, Qualität und Bauteilgeometrie erforderlich.
Siliziumnitrid (Si₃N₄) wird häufig gewählt, wenn schnelle Temperaturwechsel und dynamische Belastungen im Vordergrund stehen. Der Werkstoff besitzt eine im Keramikvergleich hohe Bruchzähigkeit und eignet sich daher für Bauteile, die thermisch oder mechanisch wechselnd beansprucht werden.
Siliziumkarbid (SiC) bietet Vorteile bei starker Abrasion, hohen Temperaturen und Aufgaben, bei denen Wärme gezielt geleitet werden soll. Je nach Qualität ist SiC elektrisch ableitend oder leitfähig und daher nicht automatisch für elektrische Isolationsaufgaben geeignet.
Vereinfacht lässt sich sagen: Siliziumnitrid eignet sich besonders für Thermoschock und dynamische Belastung, Siliziumkarbid vor allem für abrasive und thermisch anspruchsvolle Prozesse. Die endgültige Auswahl richtet sich jedoch immer nach dem vollständigen Lastfall.
Für eine erste Prüfung benötigen wir:
Wir bewerten, ob Siliziumkarbid oder Siliziumnitrid geeignet ist, welche Qualität infrage kommt und welche konstruktiven Anforderungen für eine zuverlässige und wirtschaftliche Fertigung zu berücksichtigen sind.